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Historie

Wie alles begann...

»Stets und namentlich während des Sommers 1866, wo die Cholera im 9ten Polizeirevier so manches Opfer forderte; zu Zeiten, wo Kinderkrankheiten, wie Fieber, Masern, Diphterie etc. mehr als gewöhnlich auftraten, war es für die Bewohner dieses Stadttheils wahrhaft beängstigend, keine Apotheke in der Nähe zu haben«, schrieben die Bezirksvorsteher des Gesundbrunnens im Januar 1868 an die Polizei, um die Einrichtung einer Apotheke in der Badstraße zu beantragen. Seit Jahren schon hatten die Bewohner immer wieder Gesuche an die Polizei geschickt, um gegen die medizinische Unterversorgung des Gesundbrunnens anzugehen. Zwar wohnte ein Arzt in der Badstraße, aber die nötigen Medikamente mußten von weither geholt werden.

Den Anspruch auf eine eigene Apotheke, um gegen die medizinische Unterversorgung des Gesundbrunnens anzugehen, ließen die Antragsteller durch ein Gutachten untermauern. Der Stadtphysikus Dr. Hammer berichtete: »Ich muß gestehen, daß mich diese zahlen überrascht haben, da bei der Weitläufigkeit der betreffenden Reviere ich niemals eine so große Zahl von Einwohnern dort vermutet hätte...« Es bestand auch kein Zweifel darüber, daß eine Apotheke sich würde halten können, denn die zukünftige schnelle Urbanisierung der Badstraße ließ sich schon absehen: Eine Apotheke auf dem Gesundbrunnen könne sich allemal halten.

Die Brunnen-Apotheke um 1900

Die Bittsteller warfen der Polizei ganz offen Parteilichkeit vor: »Das bisher bei der Verweigerung der Konzessionierung der Anlage einer Apotheke auf dem Gesundbrunnen zu Grund liegende Motiv basiert wohl unstreitig nicht auf der Subsistenzun fähigkeit dieser Apotheke, als vielmehr auf der Befürchtung, daß sich demnächst die Kunden jener beiden Apotheken auf dem Wedding und in der Brunnenstraße so bedenklicherweise vermindern würden, daß ihr weiteres Bestehen in Frage gestellt wäre... Die energische Forderung nach der Apotheke unterstrichen der Pfarrer und der Arzt durch die Ankündigung, sich an das Oberpräsidium Brandenburg zu wenden, falls die Polizeibehörde nicht endlich tätig würde: »Nachdem jedoch bereits einige dasselbige betreffende Gesuche bis jetzt ohne allen Bescheid geblieben sind, die Zeit bis zum nächsten Winter aber nur noch kurz bemessen ist, so bitten wir unterthänigst um schleunigsten Bescheid, um eventuell erforderliche weitere Schritte höheren Ortes... thun zu können.«

Der Gesundbrunnen an der Panke im Jahre 1890
Schwarzmarkthandel in der Badstraße, 1950
Badstraße im Jahre 1954

Der Fall ging tatsächlich vor das Oberpräsidium Brandenburg. Die Landesbehörde schätzte die jage auch prompt anders ein: Nach ihrer Meinung stand der Anlage einer Apotheke nichts im Wege. »Ich habe mich nunmehr auf Grund der angestellten Erörterungen für die Anlage dieser neuen Apotheke auf dem Gesundbrunnen entschieden«, gab der Oberpräsident nach kurzer Zeit von Potsdam nach Berlin zurück, »und veranlasse daher das königliche Polizei-Präsidium ergebenst, das für die Erteilung der Concession erforderliche Concourrenz-Verfahren einzuleiten und über das Resultat desselben demnächst Bericht zu erstatten, wobei zugleich zu erörtern sein wird, an welcher Stelle des Gesundbrunnens die neue Apotheke am zweckmäßigsten anzulegen ist...« Am 6. März 1869 wurde die Konzession in den öffentlichen Amtsblättern und im Berliner Intelligenzblatt ausgeschrieben. Als günstigster Ort für die neue Apotheke wurde die Kreuzung Badstraße/Prinzenallee ausgewählt.

Der Sturm auf die Apothekenkonzession setzte ein. 47 Apotheker aus ganz Preußen bewarben sich. Das Auswahlverfahren des Ober-Präsidiums offenbarte strengstes preußisches Beamtenethos. weder der junge beziehungsreiche Mevius erhielt den Zuschlag, noch bekam der kinderreiche Apotheker Wegher eine Bevorzugung wegen seiner brenzligen sozialen jage. Neuer Inhaber der »Brunnen-Apotheke« wurde der 38jährige Carl-August Ohnesorge. Sein entscheidender Vorteil gegenüber den übrigen Bewerbern war, daß er sich als Freiwilliger beim Feldzug gegen Österreich gemeldet und als erster Feldapotheker des Garde-Corps das schwere Feldlazarett begleitet hatte.

Die Brunnen-Apotheke nach dem Umbau 1999

Ohnesorge bemühte sich nun um ein Fadengeschäft in der Badstraße. Eine günstige Gelegenheit bot sich auf dem Grundstück Badstraße 11. Er kaufte das Gebäude und baute das Erdgeschoß zum Baden um. Eine kleine Freitreppe führte vom Hochparterre des Badens direkt auf die Straße. Im Seitenflügel des Hauses brachte er ein »Laboratorium« unter. Ohnesorge betrieb sein Geschäft nicht lang. Schon fünf Jahre später verkaufte er die Apotheke weiter. Auch seine Nachfolger spekulierten mit der wertvollen Konzession: Bis 1889 wechselten Haus und Laden acht Mal den Besitzer. Mit Richard Apt bekam die Apotheke 1889 einen Inhaber, der seinem Geschäft wie auch der Badstraße treu blieb. Die Familie Apt war bald aus dem Vereinsleben des Kietzes nicht mehr wegzudenken. Fritz Werner Apt, der die Brunnenapotheke von seinem Vater Richard übernommen hatte, verpachtete die Brunnen-Apotheke. Die Familie Apt blieb bis 1939 in der Badstraße. Als das generelle Verpachtungsverbot für Juden am 20. Dezember 1939 in Kraft trat, entschloß sie sich zur Emigration. Apts konnten vor der drohenden Vernichtung nach England entkommen. Das Haus in der Badstraße 11 wurde im 2. Weltkrieg total zerstört. Fritz Werner Apt bemühte sich von England aus, das zwangsverkaufte Grundstück wiederzubekommen. 1951 ging die zerbombte Parzelle an die Alteigentümer zurück. Apt sorgte dafür, daß das Grundstück schnell mit einem einstöckigen Fadengebäude bebaut wurde. Die neue Apotheke eröffnete 1952. Er selbst kam nicht nach Deutschland zurück. 1960 starb er in London. Seine Frau behielt das Grundstück bis 1986. Pächter übernahmen den Betrieb. Nach dem Tod der Witwe Apt wurde die Apotheke von der Apothekerin Frau Rauschenbach 1988 übernommen, aufgestockt und zum Ärztehaus ausgebaut. Gleichzeitig wurde die Apotheke neu eingerichtet und 1994 noch einmal umgebaut.

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